Esther Barth

Mein Spielplatz zwischen Wirklichkeit und Traum

Schreckensdroge, Selbstversklavung, Leben in Dreck und Krankheit, teuflische Besessenheit

Abgelegt unter: Meine Welt — 02. September 2010

Noch nie sind mir Anhänger von Allen Carr so auf den Wecker gegangen wie in den letzten drei Monaten.
Im Gegensatz zu zahlreichen Ex-Rauchern, für die Carr sogar Gott weitgehend überflüssig gemacht hat, bin ich nicht mit, sondern trotz Allen Carr “Endlich Nichtraucher” geworden.
Zudem bin ich übrigens Nichtmercedesfahrerin, Nichtfallschirmspringerin und Nichtrosinenesserin - für nichts davon wurde ich allerdings je gelobt.

Die gute Nachricht ist: Ich habe in meinem ganzen Leben für nichts so viel Beifall geerntet, wie für die Mitteilung, dass ich das Rauchen eingestellt habe. Wahrscheinlich könnte nicht einmal ein Engagement in Hollywood die Begeisterung meiner Mitmenschen noch toppen. Die schlechte Nachricht ist, dass ich das eigentlich ziemlich deprimierend finde. Irgendwie ist es schon schöner, für etwas gelobt zu werden, das man tut und nicht für etwas, das man unterlässt. Realistisch betrachtet trüge übrigens das Einstellen des Autofahrens wahrscheinlich mehr zum Allgemeinwohl bei als mein neues Dasein als Nichtraucherin. Und obwohl alle Welt es großartig findet, dass ich - aktuell - nicht mehr rauche, fühle ich mich weder frei noch geläutert im Gegensatz zu vorher. Die Gewissheit, dem sehr frühzeitigen Ableben durch nikotinbedingte Spätschäden zumindest ein bißchen entgegenzuwirken, ist zwar ganz schön, allerdings ist dies bislang ein eher theoretischer und wenig gefühlter Gewinn. Gefühlt ist am eindrucksvollsten vielleicht die Erfahrung, dass ich durchaus ohne Zigaretten klar komme, was ja nach so vielen Jahren und so vielen Vorträgen über Belohnungszentren, Suchtlogiken und Indoktrinierung durch die Tabakindustrie nicht gerade selbstverständlich erschien.

Gewiss, wem die Zigarette mit nur geringfügigen Unterbrechungen 15 Jahre lang ein mehr oder weniger täglicher Begleiter war, der nimmt plötzliche Totalabstinenz als durchaus einschneidende Veränderung wahr. Und so beschäftigt man sich dann als “Aufhörer” mit Theorien und Erfahrungen rund um den Tabakkonsum und dessen Unterlassen in recht umfangreicher Art und Weise. Ehrlich gesagt vermisse ich den Vorgang bis heute ein wenig und kann entgegen der Prognose der Suchtzetrumsager nicht von mir behaupten, dem Nikotingenuß generell anders gegenüber zu stehen als zu Raucherzeiten. Habe ich da eben Genuß gesagt? Verzeihung, das kann ja gar nicht … ich meine, Zigaretten als solche können ja gar nicht genossen werden. Vermutlich sind das die Nachbeben der Gehirnwäsche, der mich (und die anderen 20 Millionen Raucher im Lande) die böse Tabakindustrie unterzog. Denen ist mutmaßlich auch der Eindruck geschuldet, dass die Begründungen für die Unmöglichkeit des Genusses von Zigaretten sich bei Allen Carr ein wenig im Widerspruch zueinander befinden. Ziemlich am Anfang des Oeuvres teilt der Autor mit, dass er zwar gerne Hummer möge, aber keineswegs über 20 Hummer am Tag verspeisen müsse, um diesen hinreichend geniessen zu können. Wenig später taucht jedoch im Zusammenhang mit Genußrauchern die Frage auf, weswegen diese denn nur fünf und nicht mehr Zigaretten täglich rauchten, wenn das Rauchen doch solch ein Genuß für sie wäre. Der Autor scheint sich demnach uneins mit sich selbst zu sein, ob Genuß sich nun durch “weniger” oder durch “mehr” auszeichnet.
Fest steht: Seit der Lektüre von “Endlich Nichtraucher” bin ich restlos davon überzeugt, dass es unmöglich ist, Oliven zu geniessen. Oder hat Ihnen etwa die erste Olive, die Sie je aßen, geschmeckt?

Es panthert wieder

Abgelegt unter: Buisness as usual, Ein sehnsüchtiger Theaterversuch — 28. Mai 2010

Und wer schon SehnSucht nach dem Panther hatte, kann das gleichnamige Jugendtheater ab dem 1.Juni wieder in Flottbek betrachten. Hier eine Vorankündigung.

Keine Badenixe

Abgelegt unter: Buisness as usual — 10. Mai 2010

Ich hatte mich als Plantschprinzessin in einer feuchtkalten Theaterproduktion beworben und ging leider schon mit meiner Bewerbung baden. Stattdessen kann ich nun die Kunst des Scheiterns, welche Inhalt des humiden Stückes ist, in eigener Sache zelebrieren. Anyway - Kapazitäten für Perceval zu haben, ist manchmal auch nicht das Schlechteste …

Wenn’s am schönsten ist

Abgelegt unter: Buisness as usual, Ein Road Movie — 07. Mai 2010

Eben noch premierenadrenalingeschwängert, jetzt ist schon Bergfest für dieses Jahr. So rasant vermag ich gar nicht zu berichten, wie diese Flucht zurück ins Hamburger Schmuddelwetter geführt hat. Die erste Vorstellungsperiode ist abgespielt. Wir hatten eine gute Premiere, eine grandiose Zweite - ganz gegen den Theateraberglauben - und volles Haus.
Im Publikum wurden bislang folgende Zuschauertypen ausgemacht:
DIE KICHERERBSE
zeichnet sich durch quietschendes Gelächter beim Fallen der Worte Schwanz, Möse und verfickt aus und würde bei Castorf vermutlich hyperventilieren
DER NOTGEILE
stößt an den gleichen Stellen ein gestöhntes "boah" aus, um anzuzeigen dass sein Erotikzetrum getroffen wurde
DER SCHLÄFER
nickt bereits im Prolog ein und verharrt bis zum Schlußapplaus in einer Art Duldungsstarre
DIE RATLOSE
versucht sich erfolglos, den Plot logisch zu erschliessen und fragt sich, warum es nicht auch eine schmissige Verwechslungskomödie getan hätte
DIE INTELLEKTUELLE
diskutiert angeregt über mögliche Methaphern und googelt zu Hause vermutlich Sekundärliteratur
DER BEGEISTERTE
spendiert Szenenapplaus nach jeder Nummer
DER KRITIKER
äussert sich schriftlich empfindet die Premiere als glanz- oder wenigstens eindrucksvoll

… und ab geht die Luzi!

Abgelegt unter: , Buisness as usual — 23. März 2010

Zwischen Kühen und Traktoren, mitten auf dem Land, befindet sich eine kleine, aber gut ausgestattete und liebevoll eingerichtete Bühne. Das Theater Metronom in Hütthof. Hier passierts: Ein theatraler Road Movie heizt in verbalakrobatischer Wortgewalt über die Bretter - jedenfalls ist das das Ziel. Luzi vögelt einen Unbekannten auf dem Klo, der Mann kommt zu Schaden und schon sind wir auf der Flucht!

 

Im April ist Premiere und die ersten fünf Vorstellungen sind bereits ausverkauft: Ein Traum, wenn man Hamburger Publikumsverhältnisse gewöhnt ist. Ich freue mich sehr auf vier arbeits- und gesellschaftsintensive Probenwochen mit puscheligem Vierbeiner, präzisionsversessenem Regisseur, zwei fabelhaften Mitspielerinnen, drei Musikern, die unsere Söhne sein könnten - und natürlich mit der Kuh und dem Traktoren. Das war: Deutsch.

 

DER DU

Ein Road Movie

Schaupiel von Julia Wolf

Premiere: 23.04.2010, 20.30 UHr

im Theater Metronom in Hütthof

Bezahlter Urlaub …

Abgelegt unter: Meine Welt — 26. Februar 2010

… kann jetzt von freiberuflichen Künstlern bei der Schwankhalle in Bremen beantragt werden. Im Gegensatz zu Bohlens Superstars müssen hier die Aspiranten weder hammermäßig aussehen noch Weltklassenmusik machen, sondern lediglich die plausibelste Begründung abliefern. Ob ramponierte Nervenkostüme der Arbeitgeber zureichen, wird sich zeigen. Wenn ja, hab' ich bald Urlaub!

Wer auch will, klickt hier

St.Pauli, St.Pauli bei Nacht

Abgelegt unter: , Buisness as usual — 08. Januar 2010

Es ist kalt auf dem Kiez. Schnee und Temperaturen von gefühlten zehn Grad minus. Trotzdem haben sich pelzbemützte Menschen vor der Davidwache eingefunden, um einer als historische Hure kostümierten Frau über die sündige Meile zu folgen. Ich selbst bins noch nicht heute, also kostümiert. Meine Tour soll probehalber Freunde durchs Milieu führen, von der Arbeitgeberin in spe begleitet. Los geht's südlich der Davidstrasse … Nein. Heute, sagt die Chefin, starten wir in der Steige, einem der Highlights der historischen Hurentour. Hier kann man originalgetreue Bordellzimmer live und in Farbe sehen - zwar ist das Setting nicht bespielt, liefert aber ein nicht ganz alltägliches Bühnenbild. Immerhin. Als wir feststellen, dass wir nicht über den passenden Schlüssel verfügen, sind bereits gefühlte 60 Minuten vergangen, und ich habe nochimmer kein zur Sache tuendes Wort verloren. Anyway, Ecke Friedrichstrasse positioniere ich nun meine frierenden Gäste zum Start und lege los - mit der ersten Fehlinformation. Lehre eins: Glaube nicht alles, was Du googelst. Weiter gehts in Richtung La Paloma, wo ich ausser der Reihe eine Frage zu Preisen und Zahlen aus dem Milieu zu beantworten ansetze … ganz schlechte Idee. Lehre zwei: Man hört mit. Einige Zeit später erreichen wir das Hexenhaus in der Gerhardstrasse, dessen Inhaber uns dank meiner Arbeitgeberin an einem seiner Tische vor der Kälte flüchten läßt. Es folgt ein längerer Klönschnack mit zwischengestreuten Elementen aus meinem Arbeitsmaterial, mit welchem ich mich längst im wahrsten Sinne des Wortes verzettelt habe. Weil aber meine zukünftige Arbeitgeberin Humor hat und kein Unmensch ist, wird mir sogar eine Taschenlampe zur Verfügung gestellt, um den verzettelten Buchstaben. wenigstens angesichtig werden zu können. Lehre drei: Das Genie beherrscht das Chaos. Beim Aufbruch ist es bereits 22 Uhr, und so beschliessen wir, die übrige Tour auf einen Ausflug über den Hans-Albers-Platz und das Eros-Center direkt in die Talstrasse zu verkürzen. Ich verliere noch einige Worte über den König von Sankt Pauli, sein Etablissement und die Damen darin, und dann ab zu Kruse. Lehren vier und fünf: Erstens kommt es anders … und zweitens als man denkt. Lehre Sex: Gibt noch viel zu lernen. Und ich werde. Und wie!

Meine Zeit wird kommen …

Abgelegt unter: Meine Welt — 31. Dezember 2009

Als hätten sie es echt vorhergesehen. 2010 beginnt für mich mit 2 neuen Herausforderungen und einer Wiederaufnahme sowie der Fortsetzung einer liebgewordenen Inszenierung. Mit "Wilder Panther, Keks" kommt bereits im Januar wieder die metaphorische Frage auf die Bühne, ob Engel Geflügel sind. "Die Glasmenagerie", gerade erst abgespielt, wird sogar in der nächsten Woche schon wieder aufgenommen. St. Pauli sehe ich ab dem 8.Januar das ganze Jahr über bei Nacht, wenn ich als historische Hure den Kiez rocke und heute kam … tadaaa … pünktlich zum Jahreswechsel die Zusage für eine Gastrolle, die meinem Sprachfetisch in höchstem Maße entgegenkommt. Allen, die dieses Jahr noch mitlesen, sei in diesem Sinne gelungenes Feiern gewünscht. Laßt es krachen, Babies!

MUTig bebildertes Gemurmel

Einige Impressionen von der gestrigen Derniere … also, für dieses Jahr. Ich danke meinen entzückenden Kollegen und verabschiede mich in die Weihnachtspause. "Es hat mächtigen Spaß gemacht mit Ihnen."

Fotos von der Vorstellung am 20.12.2009 

50er Kram gesucht

Abgelegt unter: Meine Welt, Buisness as usual, Ein MUTiges Unterfangen — 20. Dezember 2009
An alle Hamburger:

Ich spiele in einem Off-Theater mit geringem Budjet.
Zur Gestaltung unseres Bühnenbildes sowie für die Kostümierung der Darsteller benötigen wir 50er-Jahre-Krempel: Assesoires, Schuhe, Kleidungsstücke.
Darüber hinaus werden Teekisten dankbar entgegen genommen.
Vielleicht hat jemand dergleichen und möchte es los werden.

Im Gegenzug gibt es eine Freikarte und einen Drink aufs Haus.

Freue mich über Nachrichten via Theaterblogs oder eine email an esther.barth@alice.de